Hohe Barrieren für selbstbestimmtes Wohnen
Am 26. Oktober 2008 ist die UN-Behindertenrechtskonvention in Österreich in Kraft getreten. Sie garantiert Menschen mit Behinderungen die gleichen Rechte und Wahlmöglichkeiten wie allen anderen Menschen auch. Dennoch kämpfen Menschen mit Behinderungen nach wie vor für ein inklusives Bildungssystem, existenzsichernde Arbeit (Stichwort: Lohn statt Taschengeld), Persönliche Assistenz, gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft und Wahlmöglichkeiten bei Unterstützungsangeboten.
Barrieren in den Köpfen abbauen
Simon Prucker ist Selbstvertreter und arbeitet als Peer-Berater bei der Lebenshilfe Tirol und weiß, wo Menschen mit Behinderungen der Schuh drückt: „Die Gesellschaft traut Menschen mit Behinderungen immer noch viel zu wenig zu und kann sich oft nur schwer vorstellen, dass Menschen mit Behinderungen genauso arbeiten und leben können wie alle anderen auch“. Er hofft, dass bestehende Barrieren in den Köpfen und im Alltag schnell abgebaut werden und alle Menschen eine Chance auf gleichberechtigte Teilhabe bekommen. „Wir müssen in unseren Bemühungen noch viel besser werden, wenn wir Inklusion wirklich umsetzen wollen“.
Passende Wohnangebote fehlen
Neben einer existenzsichernden Arbeit spielt für Menschen mit Behinderungen die Wahl der Wohnform und des Wohnangebotes eine große Rolle für ihre Entwicklung und Selbstbestimmung. „Von unseren Beratungsstellen wissen wir, dass es Menschen in stationären Wohnangeboten gibt, die sich ein eine mobile Unterstützung in einer eigenen Wohnung wünschen. Ein zu hoher Bedarf an Fachpflege oder Bereitschaftsdiensten stellt aber oft eine Hürde beim Wechsel zu mobilen Angeboten dar“, so Georg Willeit, Geschäftsführer der Lebenshilfe Tirol gem. GmbH. „Erschwerend kommt hinzu, dass mobile Dienstleistungen wie Persönliche Assistenz und Mobile Begleitung nur schwer miteinander kombinierbar sind, leistbare barrierefreie Wohnungen fehlen oder Eltern aufgrund ihrer Unterhaltspflicht in der Mobilen Begleitung einen höheren Kostenbeitrag leisten müssen als im vollzeitbegleiteten Wohnen“, so Georg Willeit.
Großer Bedarf, trotzdem kein Angebot
Besonders prekär bleibt die Situation für Menschen mit herausforderndem Verhalten oder hohem Pflegebedarf. Sie finden in Tirol trotz dringendem Bedarf aufgrund der begrenzten Kontingente für Intensivbegleitung oft kein Unterstützungsangebot „Alle Menschen mit Behinderungen haben das Recht auf ein barrierefreies, selbstbestimmtes und erfülltes Leben. Das betrifft alle Bereiche von der Existenzsicherung über Wohnen und Gesundheit bis hin zur Bewältigung des Alltags“, so Georg Willeit, der an Bund und Land appelliert, Strukturen und Angebote für Menschen mit Behinderungen zu schaffen, die ihren Rechten und Bedürfnissen entsprechen und die dafür notwendigen Mittel zur Verfügung zu stellen.
UN-Behindertenrechtskonvention
Im September 2008 wurde die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen ratifiziert. Einen Monat später, am 26. Oktober 2008, ist die UN-Behindertenrechtskonvention in Österreich in Kraft getreten. Die Republik Österreich hat sich damit verpflichtet, die Rechte von Menschen mit Behinderungen zu fördern, zu schützen und zu gewährleisten sowie in Gesetzgebung und Vollziehung zu berücksichtigen. Im Rahmen der Staatenprüfung im August 2023 überprüfte der UN-Fachausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen – zum zweiten Mal nach 2013 – wie Österreich die Bestimmungen der UN-BRK umsetzt. Dabei zeigte sich, dass Österreich die Rechte von Menschen mit Behinderungen in den letzten Jahren nicht nur unzureichend umgesetzt hat, sondern in vielen Bereichen dringender Nachholbedarf besteht.
Zusammen-Fassung der Presse-Meldung in einfacher Sprache
Vor 16 Jahren hat Österreich die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen unterzeichnet.
Damit hat sich Österreich verpflichtet, die Rechte von Menschen mit Behinderungen umzusetzen.
Doch in den Bereichen Bildung, Arbeit, persönliche Assistenz, Barrierefreiheit oder Wohnen gibt es noch viel zu tun.
Menschen mit Behinderungen wollen wohnen wie alle anderen auch.
Sie wollen nicht in Wohnhäusern leben, sondern selbst entscheiden, wo sie wohnen.
Und auch bestimmen, mit wem sie zusammen wohnen.
Das ist in Österreich noch nicht überall möglich.
Vor allem nicht für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf, die viel Begleitung brauchen.
Deshalb fordert die Lebenshilfe Tirol die Politik auf, sich für die Rechte von Menschen mit Behinderungen einzusetzen.
Zum Beispiel durch die Schaffung neuer Wohnangebote.
Und es braucht mehr Geld, damit Menschen mit Behinderungen so leben können wie alle anderen auch.