Buurt-Cirkel: Menschen helfen mit ihren Fähigkeiten anderen und letztendlich sich selbst.
In den Niederlanden gibt es seit 2013 „Buurt-Cirkels“ oder Nachbarschaftskreise. In diesen Kreisen helfen sich Menschen mit chronischen oder psychischen Beeinträchtigungen oder Menschen im Alter wechselseitig. So können sie weiterhin selbständig wohnen und es gelingt ihnen ihren Alltag leichter zu bewältigen.
„Solche Buurt-Cirkel bestehen aus 9-12 ausgesuchten Teilnehmenden, die bereit sind ihre Fähigkeiten und Talente in den Kreis einzubringen und andere zu unterstützen“, so Jan Alblas bei einem Vortrag in Innsbruck auf Einladung der Autistenhilfe und des Vereins Lebenshilfe Tirol. Jan Alblas ist Direktor von Pameijer, einer niederländischen Stiftung, die sich für rund 7000 Menschen mit Beeinträchtigung (Kinder, Familien, Erwachsene und Ältere) in allen Lebensbereichen (Erziehung, Bildung, Kinderbetreuung, Arbeit, Wohnen und Freizeit) einsetzt.
Für einen Buurt-Cirkel braucht es neben den selbständig lebenden Teilnehmenden noch einen Coach und die Unterstützung durch eine freiwillige Person. Diese helfen mit, den Kreis aufzubauen, Talente der Teilnehmenden zu erkennen, Treffen zu organisieren, Kontakte herzustellen und das Netzwerk zu stärken und zu vergrößern.
Das alles setzt natürlich die aktive Beteiligung der Personen im Nachbarschaftskreis voraus, geht es doch um die Erhaltung ihrer Selbständigkeit, Selbstbestimmung und die Verbesserung des Zusammenlebens in der Nachbarschaft.
Wie bereichernd ein Buurt-Cirkel für alle Beteiligten sein kann, zeigen die gesammelten Erfahrungen aus den letzten sechs Jahren. „ Wir sehen, dass das Selbstwertgefühl und das Wohlbefinden der Menschen in Nachbarschaftskreisen steigt, mehr Bekanntschaften und Freundschaften geschlossen werden und sich die Menschen mehr und bewusst werden, dass sie selbst etwas tun können, Talente haben und es einen großen Spaß macht, diese mit anderen zu teilen“, so Jan Alblas von Pameijer.
Eine Evaluation der Buurt-Cirkel der Risbo Erasmus Universität bestätigt, dass sich die Lebensqualität der Teilnehmenden in solchen Kreisen um 70 % gesteigert hat. Eine weitere Studie von MBH RIBW Alliante kommt zum Ergebnis, das weniger Medikamente verbraucht werden, die Suchtgefährdung unter den Teilnehmenden zurück geht und die Pflegekosten abnehmen.
In Österreich gibt es eine andere Soziallandschaft als in den Niederlanden, dennoch gibt es bereits Städte, wie Wien, die am Buurt-Cirkel Modell interessiert sind und demnächst mit einem Buurt-Cirkel starten wollen. „Die Finanzierung ist zumindest gesichert“ verrät Jan Alblas in seinem Vortrag. Kostet doch der Aufbau eines Buurt-Cirkels im ersten Jahr rund 40.000 Euro. Kosten, die sich in den Folgejahren reduzieren und letztendlich helfen, die Sozialausgaben insgesamt zu senken.
Ob Buurt-Cirkel auch für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf und intellektueller Beeinträchtigung geeignet sind, wird die Zukunft zeigen. Ohne professionelle Unterstützung und Pflege, wird es wohl nicht gehen. Vom Gedanken der Selbstbestimmung und Verbesserung des Selbstwertgefühls der Teilnehmenden, sicher ein Schritt in die richtige Richtung.
Download
Präsentationsunterlagen zum Vortrag
Bildgalerie
- Ruud van der Kind, Jan Alblas, Ellen Mayr-Vons diskutieren mit dem Publikum
- Jan Alblas, Ellen Mayr-Vons, Ruud van der Kind
- Jan Alblas von Pameijer
- Logo Buurt Cirkel



