Stefanie Stern ist eine von vielen beherzten Lebenshilfe Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Stefanie Stern kommt gerade von einem Spaziergang am Berg  zurück. Ihr schwarzer Hund springt durchs Gras. „Ich bin gern dort unterwegs, wo sonst niemand ist“, sagt sie. „Das brauch ich zum Ausgleich.“ Seit 2010 begleitet sie Menschen mit Behinderungen. In der Lebenshilfe war sie Praktikantin und leitete zwischenzeitlich die Lebenshilfe-Region Reutte. Am liebsten aber arbeitet sie mit Menschen.

„Steffi“ nimmt jeden Menschen ernst. Bedingungslos. Als ihr Chef kurzfristig eine Mobile Begleitung braucht, springt sie ein. „Auch wenn die Aufgaben klar sind, fragt Stefanie als erstes den Klienten, was zu tun ist. Selbst wenn er sich überschätzt:  Sie tut sie das, was er will – solange es ihn nicht gefährdet klarerweise.“

„Nicht nur nett und lustig.“

Dabei kann der Arbeitsalltag in der Lebenshilfe durchaus fordernd sein. Wenn eine Frau beim Überqueren der Bundesstraße stehen bleibt und so einen Stau verursacht. Wenn ein Mann nicht aufhört, auf den Tisch zu klopfen. Wenn jemand einen Meter vor dem Auto erklärt, dass sie beim Ausflug doch nicht mitfährt. Stefanie Stern reagiert meist gelassen und weiß: „Da geht es nicht um mich. Dafür bin ich da.“ Oft macht sie dann einen Scherz und hilft damit allen, es nicht so ernst zu nehmen. So wie einmal, als ein Passant daraufhin die Klientin zum Lachen brachte und sich der Stau wieder löste.

Ganz auf Menschen einlassen

Zwei Frauen befüllen eine Waschmaschine.

Du machst, ich assistiere dir dabei.

„Ich mag Menschen mit Eigenheiten und Ticks“, sagt Stefanie Stern und man spürt, wie ernst ihr das ist. „Da musst du dich einlassen und annehmen, dass bestimmte Dinge wichtig sind und erledigt werden müssen, weil die Person das braucht.“ Die Betroffenen spüren das, und schätzen sie dafür. Denn Stefanie Stern ist da, wenn es wen braucht.

„Es reizt mich, neue Herausforderungen anzunehmen. Sonst hört man auf, Dinge zu hinterfragen“, ist sie überzeugt. Das beginnt beim Einspringen in der Assistenz und geht bis zur übergangsmäßigen Koordination der Sexualpädagogen in Tirol.  Als 2018 Menschen mit und ohne Behinderungen in eine neuerrichtete Wohnanlage zogen, half sie beim Übersiedeln und begleitet sie heute, eigenständig zu wohnen.

Eine Frau für alle Fälle

Schon als junge Mitarbeiterin begleitet sie einen 150 Kilo schweren Mann, der Türen aus den Angeln heben konnte. Vor einem Einkauf machen die beiden eine bebilderte Einkaufsliste. „Nach drei Produkten landeten wir vor dem Schoko-Regal. Ich wusste, dass es schon einmal Polizei gebraucht hat, um ihn da wieder wegzubringen“, erinnert sie sich. Nachdem eine Tafel im Einkaufswagen liegt, ruft sie laut „genug“ und führt ihn rasch zur Kassa. „Ich war grenzwertig laut und doch war’s das einzig Richtige, bevor er das Regal zerlegt“, meint sie. Lange ist sie eine der wenigen Frauen, die er akzeptiert, bestätigt ihr Chef „Weil auch sie die Menschen respektiert – und zwar bedingungslos.“

Magst du auch…

Als ein neuer Bewohner einzieht, sagen alle, dass er nur die fünf Gerichte isst, die er von daheim kenne. Sie aber will es von ihm wissen: „Ich hab‘ noch nichts gegessen“, sagt sie zur Begrüßung „Magst du auch was vom Metzger?“ Da antwortet der Mann „Fleischlaiberl!“ Seither isst der Bewohner Wohnung problemlos, berichtet ihr Chef.

Kompromisslos für Menschenrechte

Als ein Mann schwer erkrankt, fährt sie mit ihm an die Klinik Innsbruck und bleibt über Nacht. Und als klar ist, dass seine Lebenszeit zu Ende geht, setzt sie alles daran, im seine geliebten Unternehmungen zu ermöglichen. Gemeinsam besuchen sie Freunde mit dem Auto, fahren Geschenke besorgen und essen, was er mag. Weil er Raketen liebt, feuern sie vor Silvester ein Feuerwerk ab.

Von seinem größten Wunsch aber, raten die Ärtzt ab:  eine Reise ins Urlaubsidyll seiner Kindheit. Mit dem Team des Wohnhauses organisiert Stefanie Stern einen Rettungstransport, Sauerstoff und Pflegepersonal vor Ort. „Ich habe sie sehr bewundert“, sagt die Mutter, die beide auf der langen Reise begleitet. „Sie hat nicht alles so eng gesehen wie ich.“ Die Mutter ist tief beeindruckt, wie alle in der Lebenshilfe jede Hürde meistern und ihrem Sohn diese Abschiedsfahrt schenken.
Damit auch anderen Menschen, die von der Lebenshilfe begleitet werden, solche Wünsche erfüllt werden kann, unterstützt die Mutter die Lebenshilfe finanziell.