#NeverStopInnovating: Die Lebenshilfe Tirol feiert ihr Jubiläum als Menschen- und Bürgerrechtsorganisation
Seit der Gründung setzt sich die Lebenshilfe Tirol für ein barrierefreies, selbstbestimmtes und erfülltes Leben von Menschen mit Behinderungen ein. Standen anfangs der Aufbau von Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten in allen Regionen Tirols im Vordergrund, erkannte die Lebenshilfe schnell das Potential der frühzeitigen Förderung von Kindern und Familien, die Notwendigkeit kostenloser Beratung und mobiler, flexibler Begleitung. Unter dem Motto #NeverStopInnovating stellt sich die Lebenshilfe künftigen Herausforderungen.
Im August 1963 gründete Karl Winkler gemeinsam mit Erich Schaber und Hans Klingler und anderen Engagierten den Verein Lebenshilfe Tirol als Menschen- und Bürgerrechtsorganisation. Heute ist die Lebenshilfe in rund 80 % aller Tiroler Gemeinden aktiv und begleitet rund 1600 Menschen bei einem barrierefreien, selbstbestimmten und erfüllten Leben.
Menschen- und Bürgerrechtsorganisation
„Die Lebenshilfe wurde als Menschen- und Bürgerrechtsorganisation gegründet. Das ist die Basis für unsere Arbeit und trieb die Lebenshilfe Tirol an, lange bevor die Gleichstellung rechtlich verankert wurde wie durch die UN-Behindertenrechtskonvention 2008. Als eine der ersten Organisationen in Tirol hat die Lebenshilfe Tirol Verantwortungen für Menschen mit Behinderungen übernommen, die in einem nationalsozialistischen Regime verfolgt und vernichtet wurden. Die Lebenshilfe hat das Recht auf Arbeit und Wohnen umgesetzt, war beim Ausgliederungsprozess aus der Psychiatrie Hall treibende Kraft und hat die Mobile Begleitung gestartet – mit der Idee, lebe wo und wie du leben willst. Bereits 1976 haben wir die Wichtigkeit der Frühförderung erkannt“, so Peter Heidler, der Präsident des Vereins Lebenshilfe Tirol. Für ihn war die Lebenshilfe Tirol immer innovativ und hat die Rechte von Menschen mit Behinderungen in den Fokus gerückt und Angebote entwickelt bzw. weiterentwickelt. Er bedankt sich bei den Gründer/innen für ihren Weitblick und bei den zahlreichen internen und externen Wegbegleiter/innen für die gute Zusammenarbeit.
Wie Begleitung konkret aussieht, skizziert Anja Winkler. Sie wird von der Lebenshilfe beim Arbeiten und Wohnen begleitet und vertritt als gewählte Sprecherin ihre Kolleg/innen am Arbeitsstandort Perjen und in der Region Landeck. Sie hat konkrete Vorstellungen, wie sie ihr Leben gestalten will: In einem der fünf Videos der aktuellen Recruiting-Kampagne der Lebenshilfe Tirol rollt sie auf einem Bürosessel durch den Raum und stellt mit Oberländer Akzent treffende Fragen: „Wie erklärst du dir die Lücke in meinem Lebenslauf?“ oder „Wo siehst du mich in 5 Jahren?“ 15 Jahre nach Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention müssen Menschen mit Behinderungen immer noch ihr Recht auf Selbstbestimmung einfordern. „Ich möchte mein Leben genießen – beruflich und privat“, sagt die 43-jährige Frau, die ihre Wünsche äußert und ihre Grenzen klar benennt. Sie besucht u.a. die MUT-Seminare der Lebenshilfe Tirol, die ihr Selbstvertrauen gestärkt haben, die Mut machen und ein weiterer Schritt für mehr Selbstbestimmung sind.
#NeverStopInnovating
Auch wenn zwei Drittel aller Personen, die von der Lebenshilfe Tirol begleitet werden, je nach Wunsch allein oder zu zweit mitten in Gemeinden wohnen, ist die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen in der Gesellschaft noch nicht erreicht. „Menschen leben immer noch eingeschränkt und werden viel zu oft nicht ernst genommen“, so Georg Willeit, der Geschäftsführer der Lebenshilfe Tirol gem GmbH. „Auf organisatorischer Ebene stärken wir durch gezieltes Empowerment Klient/innen, fördern ihre Mitsprache und Beteiligung aktiv. Das hilft uns dabei, uns als Organisation weiterzuentwickeln und die De-Institutionalisierung weiter voranzutreiben“.
Fokus auf Kooperationen im Arbeitsbereich
Im Arbeitsbereich setzt die Lebenshilfe Tirol auf Kooperationen wie im lebensM in Mötz, in der Stroßa Speis in Osttirol oder in der Marienapotheke in Absam mit Maries Rezeptur. Individuelle Begegnungen und das Sichtbarmachen der Arbeitsleistung von Menschen mit Behinderungen spielen eine zentrale Rolle. So werden Barrieren abgebaut bzw. etwaigen Ausgrenzungstendenzen gegengesteuert. Aber damit nicht genug: #NeverStopInnovating ist die Haltung, mit der die Lebenshilfe Tirol in die Zukunft blickt.
„Wir wollen als Menschenrechtsorganisation den einzelnen Menschen und sein Recht auf inklusives Leben noch stärker in den Mittelpunkt stellen. Das braucht neue Modelle der Begleitung“, so Georg Willeit. Genau dafür besuchen im Jubiläumjahr 60 Mitarbeiter/innen der Lebenshilfe Tirol europaweit andere innovative Organisationen der Behindertenarbeit, um Neues zu lernen und sich auszutauschen. Künftig reden wir nicht mehr von Arbeits- und Wohnangeboten, sondern wollen die Begleit-Angebote individuell rund um die jeweilige Person gestalten“, so Georg Willeit.
„Vieles haben wir in den letzten sechs Jahrzehnten erreicht, aber nichts ist abgeschlossen. Wir befinden uns weiterhin auf dem Weg zur Inklusion und stellen uns den künftigen Herausforderungen“, so Peter Heidler und Georg Willeit unisono heute im Rahmen des Pressegesprächs in der Pippilotta in Innsbruck.
Fotocredit alle Fotos: Lebenshilfe Tirol
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