Elena Reisinger präsentiert Kunstprojekt „Asylum“

Lienz: Im Beisein der Künstlerin Elena Reisinger und von Landesrätin Eva Pawlata eröffneten der Nationalpark Hohe Tauern und die Lebenshilfe Tirol heute die Ausstellung „Asylum“ in der Kunstwerkstatt Lienz. Die Ausstellung bildet den künstlerischen Abschluss der ersten Phase der Initiative „Nationalpark für alle“, einer Kooperation zwischen dem Nationalpark Hohe Tauern und der Lebenshilfe in Osttirol. 

Das Kunstprojekt von Elena Reisinger zeigt fotografische und filmische Arbeiten, die während der Auftaktveranstaltung im April sowie bei den Exkursionen im Sommer 2025 entstanden sind. Menschen mit Behinderungen erkundeten gemeinsam mit Ranger:innen die vielfältigen Lebensräume des Nationalparks – vom Ködnitztal über das Defereggental bis ins Innergschlöss. Elena Reisingers Arbeiten thematisieren den Nationalpark als geschützten Lebensraum – nicht als Gehege oder Gewächshaus, sondern als einen Kosmos, der allen Platz bietet. Die Initiative für die Kooperation zwischen dem Nationalpark Hohe Tauern und der Lebenshilfe in Osttirol ging vom langjährigen Nationalparkdirektor Hermann Stotter aus.

Naturerlebnis und Barrierefreiheit im Fokus

Die Kooperation verfolgt ein Ziel: Natur für alle zugänglich machen – und gleichzeitig voneinander lernen. Menschen mit Behinderungen erleben die Natur auf ihre Weise, bringen ihre Perspektiven ein und zeigen auf, wo Barrieren bestehen und wo neue Wege möglich sind. „Der Nationalpark Hohe Tauern steht allen Menschen offen. Die Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe hat uns gezeigt, wie wertvoll unterschiedliche Blickwinkel sind. Wir lernen, Barrierefreiheit nicht als Zusatz, sondern als Grundhaltung zu verstehen“, verdeutlichte Florian Jurgeit, Direktor des Nationalparks Hohe Tauern, bei der Ausstellungseröffnung.

Auch Christine Brugger, Nationalpark-Rangerin und Präsidentin der Lebenshilfe Tirol hob die Bedeutung der Initiative hervor und bedankte sich bei Hermann Stotter: „Die wohltuende Wirkung der Natur ist bei Menschen mit und ohne Behinderungen gleichermaßen sichtbar geworden. Diese Exkursionen schaffen Begegnungen, stärken Selbstbestimmung und zeigen, wie selbstverständlich Inklusion gelebt werden kann.“

Die Bedeutung der Zusammenarbeit stellte auch Georg Willeit, Geschäftsführer der Lebenshilfe Tirol, in den Vordergrund: „Der Nationalpark Hohe Tauern ist nicht nur Lebensraum für Tiere und Pflanzen, sondern auch Entwicklungs- und Erholungsraum für uns alle. Mit ihrer Sensibilität und Expertise in Fragen der Barrierefreiheit bringen Menschen mit Behinderungen hier Perspektiven ein, die es ermöglichen, voneinander zu lernen, neue Zugänge zu entdecken und Lösungen zu entwickeln, die in alle Richtungen wirken.“

Kunst als Spiegel gesellschaftlicher Vielfalt 

Die Ausstellung „Asylum“ setzt sich mit Zugehörigkeit, Schutz und gesellschaftlichen Erwartungen auseinander. Eine Gesellschaft zeichnet sich durch gemeinsame Eigenschaften ihrer Mitglieder aus. Gleichzeitig besitzt jedes Individuum Eigenschaften, die es mit niemandem teilt. Die Kunstfiguren in Reisingers Inszenierungen – halb Mensch, halb Fisch, auf jeden Fall aber im Rollstuhl – symbolisieren das ambivalente Verhältnis der Künstlerin zu ihrer sozialen Umgebung. Alle glücklichen Menschen ähneln einander, alle unglücklichen sind auf ihre eigene Art unglücklich. In Anlehnung an dieses berühmte Zitat aus Tolstois Anna Karenina liegt das Glück jener „Abweichler:innen“ der Künstlerin besonders am Herzen.

„Der Nationalpark Hohe Tauern steht für Vielfalt und Verantwortung – und genau diese Haltung brauchen wir auch in unserer Gesellschaft. Die Initiative ‚Nationalpark für alle‘ zeigt beispielhaft, wie Teilhabe in der Praxis gelingt: in der Natur, in der Kunst und im sozialen Miteinander“, betonte Inklusionslandesrätin Eva Pawlata.

Ein Projekt mit Zukunft

Die Initiative „Nationalpark für alle“ wird 2026 fortgesetzt. Weitere Exkursionen, Workshops und künstlerische Formate sind geplant. Die Ausstellung in der Kunstwerkstatt ist bis Ende März 2026 geöffnet und lädt ein, Natur und Inklusion aus neuen Perspektiven zu betrachten.