Von der Werkbank zur Selbstbestimmung
„Früher haben wir uns überlegt, was wir tun können. Heute fragen wir den Menschen, den wir begleiten: Was erwartest du dir von uns? Was willst du? Was ist dir wichtig?“, fasst Franz-Peter Witting die Umorientierung in drei Sätzen zusammen. Er weiß, wovon er spricht. Seit 22 Jahren begleitet er Menschen mit Behinderungen. 22 Jahre, das ist etwas mehr als die Hälfte der 40 Jahre, die es die Lebenshilfe in der Region gibt.
Lebensfreude als Grundlage
Worum es im Grunde gehe? „Die Lebensfreude“, antwortet der Außerferner Regionalleiter ohne auch nur eine Sekunde nachzudenken. „Es geht um die Lebensfreude mit allem was wir tun. Und da macht es keinen Unterschied, ob Mensch mit oder ohne Behinderungen, ob Frau oder Mann, ob jung oder alt.“
Die meisten Klientinnen und Klienten seien erwachsene Singles. „Wenn jemand sich schwer tut seine konkreten Wünsche zu äußern, dann orientieren wir uns daran, wie andere Singles arbeiten, wohnen, ihre Partnerschaft und ihre Freizeit gestalten: Abends einmal weggehen, einen Freund treffen, einem Hobby nachgehen oder auch nur abhängen und chillen.“
Verwirklichungschancen genutzt
Gestartet hat Franz Peter Witting als Assistent in der Tränkesiedlung, die 1978 als erste Werkstatt im Außerfern gebaut wurde. In der Glaswerkstatt formten Klientinnen und Klienten mit dem Bunzenbrenner Glasflaschen in ausgefallene Formen, ritzten verschiedene Motive in die Oberfläche, befüllten sie mit Wein/Schnaps/Verdünnungssaft? „Unsere Flaschen waren eine Zeit lang ein Verkaufsschlager, ein Hype, der dann abflachte – so wie unsere Lust auf den Glasfachbereich. Die Klientinnen und Klienten wollten etwas Neues lernen.“
In diesen beiden Jahren beginnt die Zusammenarbeit zwischen ihm und Helga Steinlechner. Sie dauert bis heute an. Sie sind miteinander gewachsen, der Assistent zum Regionalleiter und die Klientin aus dem Glasfachbereich zur Peer-Beraterin und Selbstvertreterin.
Beherzte Wegbegleiterin
„Wir sind seit 22 Jahren ein Team. Vom Glasfachbereich begleitete sie mich als Sekretärin bei meinen Leitungsaufgaben. Seit Jahren gestalten wir gemeinsam eine Lehreinheit an der Schule für Sozialbetreungsberufe in Innsbruck zum Thema persönliche Zukunftsplanung“, erinnert sich Franz-Peter Witting an die Zeit, als Helga Steinlechners Mutter Bedenken hatte, ihre Tochter mit dem Rad in die Werkstatt radeln zu lassen. Wie gut, dass sie es ihrer Tochter trotz der Sorgen ermöglicht hat. Heute fährt Helga Steinlechner vom Außerfern alleine mit dem Zug nach Innsbruck, übernachtet in einem Hotel um am nächsten Tag nach Wien weiterzureisen. Zum Selbstvertreterkongress der Lebenshilfe Österreich.
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