Lebenshilfe Tirol warnt vor Folgen der Kürzungen bei Menschen mit Behinderungen
Protestaktion vom 20. bis 24. Oktober unter dem Motto „Mit einem Fuß im Notstand“
Die Lebenshilfe Tirol schlägt Alarm: Die geplanten Kürzungen von bis zu 15 Millionen Euro bei Menschen mit Behinderungen stellen einen massiven Rückschritt dar und gefährden die Lebensqualität zahlreicher Menschen mit Behinderungen und ihrer Angehörigen. Geschäftsführer Georg Willeit spricht von einem „tiefgreifenden politischen Versagen“ und appelliert an die Tiroler Landesregierung, die geplanten Kürzungen zurückzunehmen.
Die Leistung Tagesstruktur ist ein Grundpfeiler der Behindertenhilfe. Sie ermöglicht Menschen mit Behinderungen Teilhabe, Orientierung und Entwicklung – etwa durch Berufsvorbereitung, sinnstiftende Tätigkeiten oder inklusive Arbeitsangebote mit Assistenz. „Wir erbringen alle Leistungen der Behindertenhilfe, natürlich auch die Leistung Tagesstruktur, im gesetzlichen Auftrag“, verweist Georg Willeit darauf, dass die Leistungen des Tiroler Teilhabegesetzes partizipativ erarbeitet wurden.
„Kürzungen in der Tagesstruktur gefährden nicht nur die Qualität dieser Leistungen, sondern auch die Chancen auf Selbstbestimmung und gesellschaftliche Mitwirkung von Menschen mit Behinderungen. Wenn die Landesregierung nun einseitig in bestehende Leistungen und Tarife eingreift, verlässt sie auch den jahrelangen gemeinsamen Weg hin zu mehr Inklusion. Sie bringt das Fundament unserer Arbeit ins Wanken“, warnt Georg Willeit.
Protestaktion von 20. bis 24. Oktober
Um die drohenden Einschnitte zu verdeutlichen, führt die Lebenshilfe Tirol vom 20. bis 24. Oktober eine Protestaktion durch. Unter dem Motto „Mit einem Fuß im Notstand“ werden die Auswirkungen der Kürzungen sichtbar gemacht:
- Reduktion der Öffnungszeiten: Arbeitsstandorte sind nur fünf Stunden pro Tag geöffnet – das gesetzlich vorgesehene Minimum.
- Kürzung des Taschengelds: Von bisher 55 Euro auf 26 Euro pro Monat, entsprechend der Vorgabe des Normkostenmodells des Landes Tirol von 1,30 Euro pro Tag.
- Standortschließungen in Aussicht: Je nach tatsächlicher Kürzungshöhe werden mögliche Schließungen bekanntgegeben, um die Konsequenzen für Menschen mit Behinderungen und deren Angehörige deutlich zu machen.
Die Lebenshilfe Tirol zeigt sich zudem besorgt über die bisherige Haltung der politischen Verantwortungsträger:innen: „Wir vermissen ein klares Bekenntnis zur sozialen Verantwortung und zur Unterstützung von Menschen mit Behinderungen“, so Georg Willeit. „Gerade in herausfordernden Zeiten braucht es Dialogbereitschaft und den politischen Willen, tragfähige Lösungen zu finden.“ Die Lebenshilfe Tirol appelliert zudem an die Landesregierung, ihre sozialpolitischen Grundwerte wieder stärker in den Mittelpunkt zu stellen und die Inklusion von Menschen mit Behinderungen voranzutreiben.
„Wir erbringen alle Leistungen der Behindertenhilfe, natürlich auch die Leistung Tagesstruktur, im gesetzlichen Auftrag“, verweist Georg Willeit auf das TTHG und die Qualitätsstandards. Bild: Lebenshilfe Tirol / Lechner
