Wie ein vertrautes Umfeld, Sicherheit und innere Ruhe schafft

Wenn Laura Pirktl in die Früh in die Lebenshilfe kommt, verabschiedet sie ihre Mutter mit einem knappen Handzeichen. Es bedeutet „Tschüss Mama, hier kenn ich mich aus. Ich brauch ich dich nicht mehr.“ Sie drückt ihrem Assistenten die Mütze und Tasche in die Hand und geht mit ihm in einen der Arbeitsbereiche: Kerzen gießen, Kräuter rebeln, Wolle filzen und kreatives Gestalten. Sie kennt alle und ist überall gern gesehen. Ein eigener Assistent begleitet sie und ist zur Stelle, wenn sie Kontakt sucht.

Wenn sie Ruhe braucht, hat sie einen eigenen Raum, in den sie sich zurückziehen kann. Am Mittwochnachmittag kommt dort noch eine weitere Klientin hinzu, die ebenfalls die Ruhe sucht. Hier hören die beide Musik, Geschichten oder genießen eine Zeit ohne Ablenkungen durch Kollegen und Kolleginnen.

Laura ist hier gut verankert, weil sie hier sein kann wie sie ist.“ Mutter

Das war nicht immer so: Als Laura Pirktl die Schule beendet, ist sie extrem unruhig. Sie kann nicht sitzen bleiben, zwickt sich und andere, weil sie ohne geregelte Abläufe verunsichert ist.

In der Lebenshilfe und mit der nötigen Einzelbegleitung fasst sie langsam Vertrauen, hört auf sich zu wehren. Heute kennt Laura Pirktl die Abläufe und gestaltet sie mit. Morgens geht sie durchs Haus, begrüßt die Kollegen und merkt gleich, wenn wer fehlt. Beim Turnen sitzt sie mitten in der Runde und lacht, wenn die anderen sich rundherum bewegen.

„Seit Laura in der Lebenshilfe ist, hab ich ein anderes Kind“, meint die Mutter und auch die Assistentinnen bestätigen: „Laura hat ihr Urvertrauen wiedergewonnen.“ Diese Stabilität ist nur möglich, weil eine Person da ist, die Laura beim Essen, Toilettengang, Anziehen oder bei Spaziergängen begleitet.

Mit dieser Begleitung verbessert die 24-Jährige Bewegungsabläufe und ihre Ausdauer. Sie hilft bei der Pflege mit, beschäftigt sich eigenständig oder schafft es, zeitweilig am Stuhl zu sitzen anstatt wie früher ausschließlich am Boden herumzurutschen. „Laura ist jetzt gefestigt, weil sie Sicherheit spürt – das ist genial!“, freut sich die Mutter.

„Wer, wenn nicht wir“

Anfangs stellte die Aufnahme einer Frau mit hohem Begleitungsbedarf für alle eine extreme Herausforderung dar. „Aber wer soll ihr und der Familie helfen, wenn nicht wir“, erklärte Lebenshilfe-Einrichtungsleiter Hansjörg Walch. So packten alle im Haus gemeinsam an und wechselten sich in der Begleitung ab. Sie argumentierten hartnäckig. Und sie erreichten, dass die nötige Einzelbegleitung ermöglicht und finanziert wird und – Laura Pirktl so Schritt für Schritt Sicherheit und Vertrauen gewann.